KulturA

Pressemitteilung


Veranstalter: Kunst & Kulturverein Attendorn e.V.

Der „Literarische Frühschoppen“ bot mit Prof. Dr. Friedhelm Decher am Muttertags-Sonntag eine hochinteressante Vorstellung des Autors Umberto Eco mit seinem Buch „Der Friedhof von Prag“. An die 40 Zuschauer verfolgten dieses Literaturereignis im Südsauerlandmuseum mit Spannung, denn schon zu Beginn seines Vortrags warnte der Professor „Diese Buchpräsentation wird ein hartes Stück Arbeit werden“.
Umberto Eco ist der Autor des Welterfolges „Der Name der Rose“ und er ist fasziniert von Fälschungen. So ist „Der Friedhof von Prag“ die Geschichte eines Fälschers und seiner Fälschungen. Interessant ist: Alles, was Eco in diesem Roman erzählt ist historisch belegt, nur dieser Fälscher, Simon Sinonini, ein widerlicher, antisemitischer, schizophrener Tagebuchschreiber, ist erfunden. Alles, was er sagt, tut und fälscht ist jedoch historisch wirklich gesagt, getan und gefälscht worden. Die Realität übertrifft wie so oft die Fantasie.
Eine seiner Fälschungen sind „Die Protokolle der Weisen von Zion“, ein übles, antisemitisches Werk, angeblich Protokolle jüdischer Weltverschwörer.
Wie gewohnt schlug Prof. Decher wieder große Bögen und erörterte die Geschichte der Verschwörungstechniken bis in die Neuzeit: Die Dreyfuß-Affäre, die Protokolle der Weisen von Zion, der Bombenanschlag auf die im Bau befindliche Pariser U-Bahn 1898, der Mord an Walter Rathenau und nicht zuletzt Hitlers „Mein Kampf“, in dem seitenweise aus den Protokollen der Weisen zitiert wird. Sie erschienen in einer „Volksausgabe“ und waren in der NS-Zeit Pflichtlektüre an deutschen Schulen. Von Hitler stammt das Zitat: “Die Frankfurter Zeitung versucht uns jeden Tag zu beweisen, dass die Protokolle gefälscht sind, aber genau das ist der Beweis, dass sie es nicht sind.“
„Der Friedhof von Prag“ ist jedoch nicht nur ein Roman über Fälschungen, wie alle Romane Ecos lässt er sich auf mehreren Ebenen lesen. Als reiner Krimi, als Psychostudie aber vor allem auch als Zeitkritik an diversen heutigen Verschwörungstheorien.
Mit viel Hintergrundwissen erläuterte Prof. Decher die verschiedenen Ebenen dieses nicht leicht zu lesenden Romans und fasziniert folgten ihm die zahlreichen Zuhörer.

Der nächste „Literarische Frühschoppen“ findet am 23. Juni 2013 “ um 11 Uhr im Café Harnischmacher statt. Auf dem Programm steht die junge Autorin Vea Kaiser mit ihrem Bestseller „Blasmusikpop oder wie die Wissenschaft in die Berge kam“. Der Kulturring als Veranstalter und der KulturA Kunst- und Kulturverein als Kooperationspartner freuen sich über zahlreiche Besucher.


Eintritt: 10,00€